[BLOG/VIDEO/SINGLE-RELEASE] RAISE YOUR VOICE

September 20, 2018

 

Liebe Freunde,
es folgt ein langer Text. Sorry dafür! Wer nicht die Zeit oder die Muße hat ihn zu lesen, hier die Informationen in Kurzfassung: Die erste Single meines neuen Albums heißt “Raise Your Voice” und hier gibt es das Video dazu. Viel Spaß beim Anschauen, ich würde mich freuen, wenn ihr es teilen würdet. Danke! 

 

Jetzt die Langfassung: 

Eigentlich mag ich es nicht, wenn Künstler zu viel Hintergrundinformationen zu ihren Songs preisgeben. “In dem Song geht es um das Gefühl, das man hat, …” bla bla bla. Vollkommen uninteressant. Warum ich so denke? Zum einen, weil ich die Vorstellung nicht mag, zum Deuter meines eigenen Werkes zu werden, zum anderen aber, was noch schwerer wiegt, weil ich es unverzeihlich fände, meinem Song die Mystik zu rauben und dem Hörer damit die Möglichkeit zu nehmen, sich selbst seine eigene Interpretation und Geschichte um den Song zu bauen. Zu spannend sind die Gespräche, in denen mir Menschen nach Shows erzählen, was ihnen die Songs bedeuten und wie sie diese verstehen. Manchmal decken sich ihre Ideen mit meinen, manches Mal entdecke ich eine neue Blickrichtung auf mein eigenes Lied. 
All dies ändert sich hier und jetzt. Warum? Weil “Raise Your Voice” anders ist und eine andere Absicht verfolgt, aber dazu später mehr. 

 

Lasst mich anders anfangen. 

 

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem Profitgier Menschen dazu veranlasst, auch den letzten Rest eines mehr als hundert Jahre alten Forstes zu roden, um auch noch das letzte Fünkchen Profit aus dem sterbenden Industriezweig Braunkohle herauszuschlagen. An dem die Politik sich selbst immer wieder eifrig Klimaziele setzt, dabei bedeutungsschwanger in Kameras lächelt, wohlwissend, dass der Klimawandel hinter dem Kapitalismus eben nur die zweite Geige spielt. Mit Natur lässt sich eben kein Geld verdienen. 

 

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem ein US Präsident Nazis als tolle Kerle bezeichnet, Afrika als “Scheißländer” tituliert, Frauen begrapscht und damit prahlt, und sich täglich neue Peinlichkeiten leistet. An dem eine Lüge nur dadurch zur Wahrheit wird, dass man sie scheinbar oft genug wiederholt. An dem alles zu Fake News wird, was nicht ins eigene Narrativ passt. Und an dem er dennoch den Rückhalt von beinahe der Hälfte seines Landes erhält.

 

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem wir es als Gesellschaft zulassen, dass ein rechter Mob in Chemnitz Menschen jagt, Bürgerwehren gründet und ein Chef des Verfassungsschutzes, der diese Zustände leugnet, statt entlassen zu werden neuer Staatssekretär für innere Sicherheit wird. 

 

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem in ganz Europa rechtes Gedankengut langsam aber sicher wächst und Einzug in die Parlamente erhält. An einem Punkt, an dem mehr und mehr Menschen dies für gar keine so schlechte Idee halten. An einem Punkt, an dem selbst in Deutschland, keine 80 Jahre nach dem Holocaust, wieder offen fremdenfeindliche Politik gemacht werden darf und man von uns verlangt, dies im Namen der Demokratie zu tolerieren. 

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem wir allen ernstes öffentlich darüber diskutieren, ob man Menschen, die ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer das Leben retten den Prozeß machen sollte. 

 

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem für viele die Definition von Protest ist, einen Hashtag zu tweeten oder sein Profilbild zu ändern. Ein Punkt, an dem noch immer viel zu viele von uns zu faul oder zu degeneriert sind, zu Wahlen zu gehen, still hoffend, es werde sich schon alles von alleine regeln. Ein Punkt, an dem die Motivation sich politisch zu engagieren für viele genau dort endet, wo RTL und Pro7 beginnen. Ein Punkt, an dem die neue Folge vom Bachelor oder dem Dschungelcamp mit mehr Elan debattiert wird, als das Schicksal von tausenden Kriegsflüchtlingen. Ein Punkt, an dem wir nicht mehr erkennen wollen, dass Probleme nur mit Kommunikation zu lösen sind und wir uns nicht eingestehen können, schon lange verlernt zu haben, was es bedeutet offen und ehrlich zu kommunizieren. Ein Punkt an dem alle Konversation führen, einzig um uns bestätigt zu fühlen, nicht aber um die Gegenseite wirklich zu hören und zu verstehen, in der absoluten Sicherheit, die moralische Überlegenheit auf seiner Seite zu haben, auch weil alles, was nicht ins eigene Weltbild passt nicht stimmen darf. Wir sind angekommen an einem Punkt passiv-aggressiven Phlegmas, am Anbeginn des Endes der Demokratie. 

 

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem jeder Demokrat, Jeder, der ein Interesse am Fortbestehen von Humanität und ihren Werten hat, nicht mehr den Mund halten darf; an dem “sich-seinen-Teil-denken” nicht mehr gut genug ist. An dem Jeder, der noch halbwegs bei Verstand ist, aufhören muss, immer einfachere Lösungen zu immer komplexeren Problemen zu suchen. Ein Punkt, an dem wir begreifen müssen, dass ein langer harter Weg vor uns liegt, ein Weg den wir gemeinsam beschreiten müssen, ohne zu vergessen, dass gemeinsam bedeutet, dass es nicht mehr gut genug ist, darauf zu hoffen, Andere mögen ihn beschreiten. 

 

“Raise Your Voice” ist ein Appell. Macht euren Mund auf. Schreit, tobt, zürnt. Mischt euch ein, macht Politik. Geht auf die Straße. Lest, lernt. Informiert euch. Steht denen zur Seite, die auf Hilfe angewiesen sind. Diskutiert mit allen, mit Rechten und Linken, mit Grünen, mit Kapitalisten und Kommunisten, mit Liberalen und Konservativen, mit Moslems und Christen, mit Juden und Buddhisten und allen die ich gerade vergessen habe zu erwähnen. 

 

“Raise Your Voice” ist mein Signal an die Welt, dass ich glaube, dass wir die Kurve noch bekommen können, wenn wir es schaffen unser Phlegma zu beenden und uns zu erheben; dass ich nicht irgendwann meinen Enkeln auf die Frage “Wo warst du als die Demokratie ihre Unschuld verlor?” mit “Ich war zu beschäftigt mit Facebook” antworten muss; dass ich nicht bereit bin aufzugeben. Für mehr Menschlichkeit, für mehr Liebe und für die Demokratie. 

 

Edmund Burke, ein englischer Staatsmann und Philosoph hat einmal gesagt: “Nichts anderes braucht es zum Triumph des Bösen, als dass gute Menschen gar nichts tun.”

 

An alle, die bis hierhin gelesen haben: Ihr macht mir Hoffnung! Danke für eure Zeit! 
Raise your Voice, Freunde. Raise your voice… or be forever still. 

 

x
John Allen

 

 

 

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