Zum Neuen Jahr.

December 31, 2018

Es ist der 31. Dezember, kurz nach 17 Uhr. In etwas weniger als einer Stunde werden meine Verlobte und ich uns auf den Weg zu Freunden machen um ins neue Jahr zu feiern. Da ich ein tief sentimentaler Mensch bin bekommen mich diese Momente. Abschied. Neuanfang. Wie jedes Jahr hatte ich mir vorgenommen, mir Nichts vorzunehmen. Wie jedes Jahr bin ich daran gescheitert. Ich hatte mir vorgenommen, mir Nichts vorzunehmen und habe mich doch heute morgen dabei ertappt, wie ich mir Dinge vorgenommen habe. 

 

2018 war ein ereignisreiches Jahr. Das Album zu machen war ein schwerer Prozess. “Ghosts” vor zwei Jahren ist uns einfach von der Hand gegangen, auch weil ich einen Sound im Ohr gehabt hatte. Manchmal ist es so. J.K. Rowling, die Autorin von Harry Potter hat einmal gesagt, sie habe die gesamte Geschichte im Kopf gehabt, sie habe sie bloß aufschreiben müssen. Bei “Ghosts" war es mir ähnlich ergangen. Ich kannte das Endprodukt, lange bevor der erste Ton aufgenommen war. Die Frage war lediglich, ob und, wenn ja, wie wir es schaffen würden, meinen Ideen Leben einzuhauchen. Bei “Friends & Other Strangers” hingegen war alles anders. Ich hatte die Songs geschrieben und hatte, wenn überhaupt, grobe Ideen, wie sie auf der Platte klingen könnten. Das hat für uns alle den Arbeitsprozess erschwert, sogar dazu geführt, in einigen Fällen komplette Songs neu aufzunehmen, nachdem ich mir schweren Herzens eingestehen musste, dass die Musiker zwar alle meine Wünsche genau umgesetzt hatten, mir das Ergebnis aber schlichtweg nicht gefiel.

 

So ist “Friends & Other Strangers” das zentrale Element dieses nun vergehenden Jahres zwar ein Album geworden mit dem ich mehr als zufrieden bin, aber eben auch das Ergebnis harter und Kräfte zehrender Arbeit, verbunden mit Lernprozessen, die mir alles andere als leicht gefallen sind. All denen, die daran mitgeholfen und hart gearbeitet haben sei an dieser Stelle nochmals gedankt. Hannes, Kay, Lars, Max, Magnus, Karsten, Nina, Ida, Julika, Gunnar und Nico, vielen Dank für eure Nachsicht, eure Geduld und eure Ehrlichkeit. Vielen Dank für euer Talent und eure Hingabe, mit der ihr mir zu einem besseren Album verholfen habt.

 

Nun habe ich in dieser Woche endlich die CDs bekommen, gleich morgen werde ich damit beginnen, die ersten Crowdfunding Päckchen zu packen. Die Schallplatten kommen hoffentlich in Kürze. Was ein Weg, das neue Jahr zu beginnen. Es fühlt sich an wie ein Abschluss der Luft macht für Neues. Nur was liegt nun an? Was mache ich mit dem Jahr das vor mir liegt?

Zeit zurück zu den Vorsätzen zu kommen. Gestern habe ich kurz vor der Abenddämmerung einen Spaziergang auf dem Ohlsdorfer Friedhof gemacht und dabei das Grab des von mir über alle Maßen geschätzten, ja verehrten Roger Willemsen besucht. Während ich für einige Minuten auf der Bank saß, welche die Nische ziert in der sein Grabstein steht, fiel mir dieses eine Zitat wieder ein: “Wir können unser Leben nicht verlängern - nur verdichten.” Vielleicht war es der Zufall, der mir einen Tag vor diesem symbolischen Jahresende diese Zeile in Erinnerung rief, andere mögen behaupten es könnte auch Vorsehung gewesen sein.

 

Und wenn ich ehrlich zu mir bin. Ich habe 2018 alles andere als “dicht” gelebt. Ich habe zu viel Zeit mit Dingen verbracht, die man unbeschönigt als Verschwendung begreifen kann. Das beste Beispiel erlebe ich während ich diesen Text schreibe. Mein Smartphone blinkt und zeigt mir an, wie viel Zeit ich täglich mit ihm verbringe, wie oft ich es in die Hand nehme, welche Apps ich wie lange nutze. Was ich lese macht mir Angst und Sorge, je beschämt mich fast. Hätte ich nur die Hälfte dieser Zeit hinter Büchern, mit Freunden, am Klavier, an der Gitarre oder im Wald verbracht, ich wäre ein klügerer und besserer Mensch. So habe ich mir vorgenommen, mich 2019 wieder mehr den Dingen zuzuwenden, die wahrhaftig sind - Schreiben, lesen, fotografieren, Spaziergänge unternehmen, Freunde treffen und Reisen, vor allem Reisen. 

 

Vor mir liegt also ein Jahr der Veränderung. Einige Jahre ist es her, dass ich “Blood Brothers” geschrieben habe. Auf der Bühne habe ich unzählige Male die Geschichte erzählt, dass ich Freundschaft eher in Qualität denn in Quantität bewerte und doch bin ich mir dessen bewusst, im vergangenen Jahr häufig kein guter Freund gewesen zu sein. Häufig Anrufe nicht erwidert, SMS nicht beantwortet oder Besuche verschoben zu haben. Meine Lieben, ihr wisst wer gemeint ist: Ich gelobe für 2019 und darüber hinaus Besserung. 

 

Auch wird es im kommenden Jahr deutlich weniger Auftritte geben, eine Tour im März, eine Tour im Herbst, zwischendurch immer mal wieder die ein oder andere Show, aber in erster Linie soll 2019 ein Jahr des Schreibens und Lernens werden. Mich verlangt es nach Abenteuern, nach neuen Erfahrungen, nach der Natur und nach neuen Themen. Nach nächtlichen Diskussionen,  nach Begegnungen aller Art. Nach dem Album ist vor dem Album sagt man, und so habe ich zwar bereits begonnen neue Songs zu schreiben, doch was genau damit geschieht kann ich zum jetzigen Zeitpunkt beim besten Willen noch nicht sagen.

 

Ebenso wartet mein Buch darauf, endlich weiter und fertig geschrieben zu werden. Noch fehlen viele Kapitel, noch habe ich zahllose Geschichten zu erzählen und ich brenne darauf, mit meinen Notizbüchern und meinem Stift intim zu werden und für mich und euch meine Gedanken in Worte zu formen.

 

Auch freue ich mich darauf den hohen Stapeln an Büchern auf meinem Nachttisch nach und nach zu konsumieren, langsam, auf dem Sofa versunken, im Zug, mit einer Tasse Tee in der Hand oder einem Whiskey lange nach Sonnenuntergang.

 

Ich freue mich darauf zu fotografieren, Menschen, Orte, Ereignisse, gelegentlich Videos zu drehen und euch so an meinen Erfahrungen und meinem Leben teilhaben zu lassen, darauf, sowohl mit, als auch für euch zu leben. 

 

Nicht zuletzt werde ich heiraten. In wenigen Wochen schon und es fehlt mir aktuell noch die Vorstellungskraft, dass aus mir wirklich ein Ehemann wird. Die passenden Worte um meine Gefühle diesbezüglich zu formulieren habe ich noch nicht gefunden. 

 

So bleibt mir zum Schluss nur euch zu danken. Für eure Geduld mit mir, für eure Unterstützung, für eure lieben E-Mails und Postkarten. Für euren Zuspruch, euer Verständnis wenn nicht immer alles so lief, wie man sich es gewünscht hätte. Für eure leuchtenden Augen, euer Lächeln, euren Applaus. Für die netten Gespräche nach den Shows, für die Streams bei Spotify, für das Kaufen meiner Alben. Für jegliche Form des Kontaktes. Für eure Hand auf meiner Schulter. Für eure Kritik. Für euer Lob. Für eure Zuneigung. Für jegliche Form des Kontaktes und der Auseinandersetzung. Für jede Reibung. Um es mit Reinhard Mey zu sagen: “Habt dank für eure Zeit.” Ihr seid die Liebe meines Lebens!

Frohes Neues. Guten Rutsch und bis nächstes Jahr. 

 

J
 

 

 

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